Trost

Und wir sind wieder am Anfang. Doch wo war der Anfang und woran erkennt man das Ende? Mein Ende hat sich schon lange vorher angekündigt. Mir wurde das Leben geschenkt, doch ich nahm es nie an. Ich versteckte mich vor der Verantwortung und verriet meine besten Freunde. Und das hier scheint nun die Strafe für meine Torheit zu sein. Ich bin verloren in meinen eigenen Gedanken, die mittlerweile ihr eigenes Leben entwickelt haben. Ich war mit meinem besten Freund nach einer durchzechten Nacht auf einer öffentlichen Toilette aufgewacht. Mit der Polizei auf den Fersen. Minuten später sitze ich unter einer Brücke und bemitleide meine jämmerliche Existenz.

Das alles sollte wohl nur ein Prolog sein. Ein Prolog zu meinem eigenen Wahnsinn. Jeder schaufelt sich doch mittlerweile sein eigenes Grab. Wir essen zu fettiges Essen.. wir sind stolze Raucher und Säufer. Wir schmeißen unser Leben doch selber auf den Müll und verschenken keinen Gedanken an Menschen, die nicht mit einer Wahl aufgewachsen sind. Manche Menschen wollen Leben und tun alles was sie können um ihr Leben erträglicher zu machen und wir versuchen alles mögliche in der Welt um unser Leben zu verkürzen. „Live the moment.“ Schon klar. Man lebt nur einmal aber was ist unsere Bestimmung, was ist unser Ziel? Ich darf mir solche Fragen nicht mehr stellen.

Es fing an als ich um Haaresbreite mein Abitur bestand. Eigentlich sogar davor, denn die Zulassung hätte sicherlich nicht geklappt, wenn ich nicht einen Lehrer von meinen Absichten überzeugen konnte. So konnte ich die 0 Punkte zum Halbjahr abwenden und war weiterhin voll und ganz zugelassen fürs Abitur. Doch sogar da machte ich einen Rückzieher. Lernen ist was für Schwächlinge und Nerds. Ich bin kein Nerd also muss ich nicht lernen. Wochen und Monate verschwand ich im Kosmos der Gedanken. Ich regierte Länder, ich baute Armeen und ich zog in die Schlacht. Doch gegen wen zog ich in die Schlacht? Ist der Tod nicht unser gemeinsamer Feind.. ein Feind der alle Menschen verband? Kriege sprechen eine andere Sprache.. doch was ich tat, kann man bei weitem nicht als Krieg bezeichnen.

An einem Punkt war ich Auslöser eines internationalen, virtuellen Krieges. Ich wurde als persona non grata abgestuft und geächtet. Alles in meiner kleinen eigenen Welt. Die öffentliche Toilette, die Brücke. Die Stadt und der Bauernhof. Das sind alles Schauplätze meiner Selbst. Kennt ihr das? Ihr lauft durch den Vorort und findet einen Ort, der nahezu magisch ist? Ich kenne viele dieser Orte. Ich habe Menschen an diesen Orten zerbrechen sehen.. ich habe sie sterben sehen. Der Zug hat kein Mitleid. Ein Zug folgt nur seiner Wegstrecke. Wenn man im Weg steht, dann hat man verloren. Leider stehen die meisten freiwillig vor diesem Zug.

Vielleicht ist das alles die Entschuldigung, warum ich nun an diesem Punkt bin. Ich habe zuviele Sachen aufgeschoben und hab mich geweigert zu verarbeiten. Mich geweigert mich jemals weiter zu entwickeln. Ich bin auf dem Stand eines Fünfjährigen, der sich weigert erwachsen zu werden. Das Kind in mir stößt jegliche Verantwortung ab und setzt seinen Kopf durch. Zum Leid meiner gesamten Umwelt. Und das hier ist dann wohl der Preis, den man zahlen muss.

Ich bin weit umhergewandert. In diesem großen Nirvana gibt es tatsächlich alles. Die alte Halle, dort wo ich mein Abitur gefeiert habe. Selbst die Feier kann ich nacherleben, aber es fühlt sich nicht echt an. Es ist eine Wiederholung .. wer schaut schon gerne Wiederholungen. Ich würde gerne manche Dinge anders machen, doch ich bin an die Wiederholung gefesselt. Ich kann immer nur den selben traurigen Moment nacherleben. Das Gleisbett hinter dem Wald. Dort wo ich meinen einzigen besten Freund verlor. Die Gleise summen leise vor sich hin. Warum habe ich nie eine Phobie gegen Züge und Bahnen entwickelt. Warum kein Hass für diese Monstrositäten, die mir alles genommen haben.

Oft kam mir in den Sinn eine Zeitmaschine zu entwickeln.. Nur leider ist das technisch (noch) nicht möglich. Man kann nicht zurück in die Vergangenheit und die Sache gerade rücken. Was für mich gerade ist, birgt vielleicht für jemand völlig anderes ein Risiko. Die einzige Möglichkeit in die Vergangenheit zu reisen sind die eigenen Gedanken. Eine Person lebt so lange, wie man sie im Gedächtnis hält. Und ich halte dich immer in Gedanken. Solange ich atmen kann. Ich nehme gerne alle Schuld auf mich. Du bist vor den Zug gesprungen, weil ich dir nicht zuhören wollte, wenn es am wichtigsten gewesen wäre.

Es tut mir leid.

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