Penelope und ich

Seite 1 auf meiner Seele. Kurz zuvor bin ich auf die Welt gekommen als kleiner Stups. Ich kann nur noch schreien und ich hab dauernd Hunger. Glücklicherweise ist hier die Frau, aus der ich rausgerutscht bin. Hunger verdammt! Wann kapierst du das mal endlich? Und die Windel ist schon wieder voll. Naja, langsam mach ich mir schon Gedanken was das hier sein soll. Andauernd kommt so ein schleimiger Typ in mein Zimmer und gafft mir komisch ins Gesicht. Noch nie ein Baby gesehen? Ich glaub, es hackt!

Wunderbar! Nach all der Übung kann ich nun endlich auf meinen beiden Beinen stehen und durch die Gegend laufen. Aber warum ist hier alles abgesperrt? Traut ihr mir etwa nicht? Dieser schleimige Typ ist immer noch hier, aber glücklicherweise kann ich ihm nun aus dem Weg gehen. Naja, ich versuchs zumindest mal. Ach Mist! schon wieder gefangen. Nun könnte man mir mal endlich wieder das leckere Essen von vor einem Jahr geben. Ja bitte!!

Nun isses soweit. Ich kann singen, ich kann tanzen und ich kann endlich reden. Nur mein Sprachkanal ist leider noch etwas falsch eingestellt. Dann geh ich euch halt mit Kauderwelsch auf den Sack. Jaja, ihr versteht mich nicht und ich versteh euch nicht. Obwohl, den Namen meiner Hauptbezugsperson krieg ich sicherlich mit etwas Übung hin. Meine Hose ist voll! WUAHH. Bitte sofort Gegenmaßnahmen einleiten! Ich krieg hier langsam noch das kotzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hihi. Den Schleimbeutel gerade eben noch schleimiger gemacht. Achievement unlocked!

Heute sehe ich zum ersten Mal einen Kindergarten von innen. Von meiner Mutter wurde ich als Kind klassifiziert. Drum muss ich mich jetzt auch wie ein Kind benehmen und auch so sprechen wie ein Kind. Toll. Leider beschränkt mich der Wortschatz schon ungemein, aber was tut man nicht alles um nicht aufzufallen. Mein wunderbarer Erziehungsberechtigter hat sogar einen kirchlichen Kindergarten ausgesucht. Dann kann ich nach dem Spielen mir noch irgendwelche Halbtoten beim Singen reinziehen. Abgefahren!

Ich bin das schlauste Kind! Jetzt haben sie es endlich schriftlich. Und ich werde hochgestuft. Zumindest in der Schulform. Leider bleibt meine Klassifizierung bei „Kind“ doch nun mit dem Zusatz „Schüler“. Wir sollen mit keinen Fremden reden und auch keine Süßigkeiten von anderen annehmen. Wie soll ich das denn bitte eine Woche lang überleben. Man könnte uns klauen? Wer mic h klauen will, der muss schon dermaßen einen an der Waffel haben. In der Schule lernen wir die Geschichte unseres Landes und wir erlangen Kenntnis in der Arkanen Zahlenmagie. Abgekürzt heißt das dann Mathematik. Klingt wie zaubern, ist es auch ein Stück weit.

Alle meine tollen Freunde gehen auf eine andere Schule, weil sie schlussendlich zu DOOF sind um mit mir mitzuhalten. Hehe! Ich bin halt ein ganz helles Köpfchen. Jetzt dürfen wir auf die weitergehende Schule gehen. In meinem Fall ist das ein Gymnasium. Hier erwerben wir Kenntnisse in unheimlich wichtigen Fachbereichen wie: „Hauswirtschaft“ oder „Informatik“. Natürlich könnte ich mich auch in die Gartenabteilung entwickeln und ein Baumschubser werden. Doch dann wäre ich doch lieber auf die Waldorfschule gegangen. Hand aufs Herz. Sehr viel Respekt für die Waldorfschüler. Ich könnte diesen Scheiß keine Stunde aushalten. In der Politikstunde lernen wir Gut und Böse zu unterscheiden. Alles was nicht in der NATO ist: Gut. Der Rest: Bitterböse oder zumindest suspekt. Von nun an übernehme ich die Weltanschauung meines Politiklehrers für den Rest meines Lebens.

Mein erster Tadel in der 8. Klasse. Habe die Weltanschauung meines Politiklehrers etwas zu wörtlich genommen und habe eine neue Sitzordnung eingeführt. NATO und nicht NATO. Mein Lehrer fand das gar nicht mehr so toll, vorallem da wir jetzt die zwei afrikanischen Mitbürger viel zu stark ausgrenzen. In Deutsch lerne ich etwas über den Zauber der Lyrik. Mein Freund Otto hat eine Menge Gossenlyrik im Ärmel. Er wird später ein begnadeter Gangsterrapper. Arkane Mathemagie ist immer noch nicht mein Lieblingsfach aber ich leite mich oft genug ab um meinen Abschluss zu erhalten.

Tada! Mein erster Kuss. Allerdings nur für das Abiturfoto. Denn da wurde jeder freie Junge mit einem freien Mädchen für das Abiturfoto zusammengedoodelt. Fürchterlich. Allerdings interpretiert Zahnspangenkatharina das Küssen falsch und will mich mit ihrer Zunge ersticken. Zu Hilfe. Am reichlich gedeckten Büffet halte ich anregende Unterhaltungen über Freunde und Feinde der NATO. Anschliessend ist für jeden nochmal die Gelegenheit sein Abitur in die Kamera zu halten, gepaart mit einem wahnwitzigem Lächeln. An dieser Stelle sehr viel Respekt an Torsten, der für seine mega geniale Abiturpartyorganisation sein Abitur verkackt hat und leider nicht eingeladen ist. Natürliche Auslese!

Mit dem Abitur in der Tasche erstmal an der nächstgelegenen Universität eingeschrieben. Ich habe mittlerweile die Klassifizierung Student und darf nun zum nächsten Amt und mir Geld leihen, dass ich sowieso niemals zurückzahlen kann. Ausser ich entwickele mich zu etwas besonderem oder bekomme Geld aus zweifelhaften Kanälen. Und auf Anhieb zum Fachschaftsratsprecher gewählt. Schaut zu eurem Boss hinauf! Die Einteilung in NATO und nicht NATO gelingt an der Uni viel besser. Allerdings mache ich mir die gesamte Ethik-kommission der Uni zu meinen Feinden und darüber hinaus sieht der Gleichstellungsbeauftragte das Gleichgewicht gestört.

Der Bachelor war kürzer als ich gedacht habe. Ich erinner mich an keinerlei Wissen, das ich mir während der Studienphase angeeignet habe und gehe lieber mit meinen Kommilitonen saufen. Patschnass wache ich im Bett einer Hure auf. Damit hätten wir dann auch schon den ersten Sex besprochen. Nach meinem abgeschlossenem Master kann ich nun endlich meinen Job bei der NATO antreten und die Balance in unserer Gesellschaft wieder gerade rücken. Nur leider sind wir nun schon fast in den dritten Weltkrieg verstrickt und überall auf der Welt gibt es Aufstände. Dazu noch Giftgasangriffe gegen die Bevölkerung in einem brisanten Land. Hmm.

Mit der NATO hat es leider aufgrund meiner nicht vorhandenen Militärkarriere nicht geklappt. Trotzdem arbeitet es sich hier in meiner eigenen Wohnung recht schön. Die Prostituierte ist mittlerweile bei mir eingezogen, das spart Anfahrtskosten und vielleicht entwickelt sich ja auch was daraus. Sie hat mittlerweile auch eine Namen: Penelope. Nur weil’s so schön klingt. Nur Penelope ist leider maximal triebgesteuert. Sprich: Sie ist verrückt nach Sex. Nymphomanisch. Das führt leider zu ungewollten Sex im Tiefschlaf.

Meine Heimarbeitsplatzstory nimmt ein jähes Ende als man mich in der lokalen Presse verleumden lässt. Unerhört! Penelope ist mittlerweile auch schwanger mit zwei Kindern im Anflug. Richtig gelesen, zwei! Ich weiß nicht ob sich Kinder hinzuaddieren wenn man während der Schwangerschaft Sex hat. Sonst könnte das schnell zu einem zweistelligen Disaster werden. Ich bin ganz der Familienvater und achte auf meine Penelope. Penelope achtet leider nur auf das was zwischen meiner Hose ist und so gestalten sich die letzten drei Monate der Schwangerschaft relativ einseitig.

Ich bin Vater! Ich habe Verantwortung! Ich bin super! Juhu, mein Kind akzeptiert mich als sein Vorbild. Als Einjähriger bleibt ihm das auch nicht erspart. Das zweite Kind war leider ein Messfehler. Wir haben dann auch umgehend den Frauenarzt gewechselt. Ein Arzt mit zweitklassiger Ausrüstung. Unerhört!

Trotzdem hoffe ich, das mein Sohn ein besseres Leben lebt als ich. Denn in meiner gesamten Geschichte kommen meine Eltern nicht sehr oft vor. Und das liegt an unserem distanziertem Verhältnis. Alles was ich meinem Sohn wünsche, ist eine liebevolle Beziehung zu seinen Eltern.

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