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Die League of Legends Community – Ein Moba Trauerspiel

Hallo liebe Freunde,

heute werd ich mal aus gegebenen Anlass über League of Legends stänkern. Wir dürfen alle Icefrog und Blizzard danken. In der „Dota Karte“ bei Warcraft 3 wurden die ganzen Moba-Junkies geboren. Techies spielen, mit der Drow Ranger rumtrollen. Alles war möglich. Ich habe es selbst miterlebt. Man konnte den Helden nehmen, den man wollte. Man konnte spielen wie man wollte. Bei einem Spiel hatten wir 5 Leute auf einer Lane. Wen interessierts? Heutzutage leider etwas anderes. In den Moba Spielen herrscht ein rauer Umgangston. Von harmlosen „Ich bin besser als du.“ bis hin zu „Ich ficke deine Mutter und dann töte ich deine Familie.“ Nur was bewegt die Spieler dieser populären Spiele zu solchen Äusserungen?

Wenn du den schon wieder verfehlst, dann zertret ich dir dein Fickmaul.

Man hat es nicht leicht heutzutage. In der verwöhnten Gesellschaft zählt nur noch der Sieg. Faire Gewinner? Haha, du bist zu dumm zum gewinnen also verdienst du den Hohn und Spott. Oder? Leider sieht die Realität in den Moba’s genau so aus. Ein Großteil der Spieler entlädt seine Wut in Mitspieler und Gegenspieler. Selber ist man ja nie schuld. Und so nimmt das Gefluche und das Gemaule seinen Lauf. Vor rassistischen Äusserungen oder schwer verletztenden Worten macht keiner mehr Halt. Jeder ist ein dummes Judenschwein, das vergast gehört. Hallo geht’s noch? Doch wie kann man das erklären? Hier hilft mal wieder die Anonymität des Internets. Warum soll ich mich zurücknehmen? Ich habe ja auch kein Echo zu ertragen: Keine strafrechtliche Verfolgung und schon gar nicht eine aufs Maul. Man versteckt sich ja bequem hinter einem Pseudonym. Und man kostet diese Anonymität in vollen Zügen aus. So scheint es mir zumindest.

Sag mir wo du wohnst, ich fahr vorbei und töte deine Eltern

Woher kommt dieser Hass? Man kann nur mutmaßen. Einerseits steht es jedem frei sogenannte Mobas zu spielen. League of Legends und Heroes of Newerth sind jeweils free2play. Somit hat eine breite Masse Zugriff auf das Spiel. Dann hat es sicherlich noch mit den laschen Bestrafungsmethoden der Moba’s zu tun. Wenn man bei LoL auffällig wird, dann wird per Algorithmus ein sogenanntes spielergeführtes Tribunal eingerichtet. Dort können dann Spieler aufgrund des Chatlogs und der Beschreibung der Auffälligkeit. Die Spieler entscheiden auf schuldig oder unschuldig und aufgrund der Mehrheit der Stimmen wird dann das Urteil gefällt. Soweit die Theorie… aber hält das Spieler vom Beleidigen und Fluchen ab? Scheinbar schon. In jedem Spiel findet man im Durchschnitt einen „auffälligen“ Spieler. Im Regelfall beziehen sich die Beleidigungen auf das Unvermögen der anderen Spieler. Ich bin besser als du, also lass mich diese Schlüsselposition spielen. Ich bin besser als du, also spiele ich diesen Helden. Es werden Urteile gefällt und natürlich ist man sich selbst immer der nächste. In einem vorherigen Beitrag habe ich von Toleranz gesprochen und auch den Konsequenzen von Intoleranz. Man wird geschasst. In unserer Gesellschaft passiert das relativ schnell. Wenn ich mich über eine Minderheit in der Öffentlichkeit sehr harsch äußere oder die Mutter von jemandem beleidige, dann hat das Konsequenzen. Unmittelbare Konsequenzen: Ich krieg eins auf die Fresse. Spätfolgen: Ich werde womöglich verklagt und vors Gericht gezerrt.

Du Hurensohn kriegst doch eh nix zu stande. Beschissene Unterschicht.

Unsere Internethelden verstecken sich also weiter. Beleidigen munter drauf los und werden dafür allenfalls mal verwarnt. Für mich greift das Signal nicht. Man kann nicht Einzelfälle durch einen Algorithmus ahnden lassen. Wo kämen wir denn hin wenn unsere Gerichte nach diesem Prinzip handeln würden. Anderenfalls kann man sich die Mobas auch als kleine eigenständige Gesellschaft ansehen. Und dort trudeln halt im Sekundentakt die Anzeigen wg. Beleidigung herein. Und um diese Masse überhaupt abzuarbeiten bedarf es nun mal Algorithmen. Die Frage die bleibt: Warum? Warum rasten Menschen regelrecht aus bei Mobas? Wahrscheinlich ist es genau die Komponente, die sie nicht beeinflussen können. Um zu gewinnen, müssen alle an einem Strang ziehen. Wir müssen uns auch vor Augen halten. Die Mobas sind eine Parallelgesellschaft in der Werte wie Toleranz nicht mehr zählen. Im Internet ist man die Person, die man gerne sein möchte. Und im Fall von Moba’s sind leider die meisten Menschen egoistisch und überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten maßlos. Und natürlich zieht jeder andere im Vergleich den kürzeren. Würde jemals einer zugeben, dass er schlechter ist als ein anderer ihm völlig unbekannter Mensch?

Wohl kaum.

Elementare intolerante Unsicherheit

Wir leben in einer Welt voller Unsicherheiten. Bankenkrise, Syrienkrise und jetzt auch wieder der arabische Frühling in seinen Grundzügen in der Türkei. In der Zeitung wird von sozialen Unruhen gewarnt. Wen wundert’s bei der hohen Arbeitslosigkeit unter den jungen Leuten? Und was mache ich? Ich sitze an der Universität und lerne, damit ich später einen schönen Job im Büro habe. Ich bin ein richtiger Feigling. Konflikt oder Kampf hab ich in meinem Leben nur spärlich gehabt. Und dort wo ich’s gehabt habe, dort kam ich mit mehr Glück als Verstand in Sicherheit. Versteht mich nicht falsch. Es ging bei mir nie um Leben und Tod. Es ging eigentlich ums Wesen, und dort hab ich immer gerne schnell einen Rückzieher gemacht. Und das lässt sich leider eins zu eins auf unsere Gesellschaft abbilden. Diese verwandelt jeden einzelnen von uns systematisch in einen Feigling. Und das ist der Sinn der Übung, das ist der Sinn des Bürgertums! Feiglinge sind einfacher zu managen. Menschen, die aus der Reihe tanzen, werden gebrandmarkt. Wenn die Masse ungehorsam demonstriert, dann muss man einfach nur etwas Panik auslösen oder wieder eine Gesellschaftsgruppe als Feindbild aufziehen und schon bewegt sich der Pöbel in die richtige Richtung.

Rückratlos und uneigenständig.

Was sind die Stärken unserer Gesellschaft? Nach dem schulischen und universitären Prozess stehen wir nun da und haben einen Abschluss. Für mich wirds leider nur ein Bachelor. Diplom würde sich doch viel besser anhören. Eine große Stärke, die unsere Gesellschaft vorgebracht hat ist die Toleranz. Toleranz in jeglichem menschlichen Aspekt hat uns enorm nach vorne gebracht. Intoleranten Menschen wird zumeist Unverständnis vorgeworfen. Ich bin vielleicht selbst ein kleines Stück intolerant. Doch tue ich mein bestes um dieses Stück Intoleranz zu verstecken. Nehmen wir mich einfach mal als Beispiel. Ich studiere jetzt schon seit 3 Jahren. Auf dem Zettel steht bei mir faktisch nichts. Die Universität siebt im großen Stil aus. Wer nichts leistet, fliegt. Trotzdem gibt es den einen oder anderen, der ohne etwas zu tun durch das Studium segelt. Aber was genau macht das Studium aus mir? Viele nutzen das Studium um sich selbst zu finden. Ich sehe im Studium viel mehr lauter Personen und Leute, deren Abbild ich später sicherlich nicht sein möchte.  Ist die Universität tolerant? Sind meine Kommilitonen tolerant?

Tolerant und gebildet.

Reflektion ist das A und O. Bin ich intolerant? Bin ich rückratlos? Wer entscheidet in meinem Leben. Ich selber oder besser jemand anderes? Ich werde die Woche mal kräftig in meinem Kopf nachschauen, ob ich zum Einheitsbrei der Gesellschaft gehören möchte oder ob ich einen anderen Weg einschlage.

Bis dahin.